Weltfriedensdienst e.V.

Wasser ist überlebenswichtig. Das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser ist daher seit 2010 in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Das Menschenrecht auf Wasser ist die Voraussetzung für andere, etwa das Menschenrecht auf Leben, angemessene Ernährung und medizinische Versorgung. Die Umsetzung dieses Rechtes wird aus verschiedenen Richtungen bedroht.

Wasserraub durch Verschmutzung

Ein großes Problem stellt die langfristig wirkende Verschmutzung globaler Wasserreserven dar. Eine bedeutende Quelle der Wasserverschmutzung ist die industrielle Landwirtschaft mit dem massiven Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden sowie großen Mengen Gülle und Medikamenten aus der Massentierhaltung. Wasser wird auch bei der Herstellung von Konsumgütern, wie beispielsweise Kleidung, verschmutzt. > siehe auch virtuelles Wasser.

Bergbau, die Förderung und der Transport von Erdöl, neuere Extraktionsverfahren wie das Fracking oder die Ausbeutung von Teersanden verbrauchen nicht nur direkt viel Wasser, sondern führen vor Ort zur Verunreinigung und Vergiftung von Grund- und Oberflächengewässern durch Schwermetalle, Chemikalien und Öle. Insgesamt gelangen jeden Tag weltweit 2 Millionen Tonnen Chemikalien, industrielle, menschliche und landwirtschaftliche Abfälle in das Trinkwasser.

Besonders in Ländern mit verbreiteter Armut existieren selten Regeln zum Schutz vor Wasserverschmutzung. Gibt es solche Regeln, werden diese häufig nicht durchgesetzt.

Wasserraub im Bergbau

Gold, Kupfer und Erdöl aber auch Silber und seltene Erden sind begehrte Rohstoffe, deren stetig steigende Nachfrage in den Industrienationen und in den wirtschaftlich rasant expandierenden Schwellenländern zu zunehmenden Abbaudruck weltweit führt. Profiteure sind meist nur die internationalen Konzerne durch hohe Gewinne sowie die Konsumenten in den Industrienationen durch billige Verbraucherpreise. Doch die Auswirkungen der Praktiken im Rohstoffabbau auf die weltweite Wasserproblematik sind der Öffentlichkeit wenig bekannt und zugänglich. Was hat beispielsweise ein Ehering aus Gold mit verseuchten Flüssen in Südafrika zu tun? Oder das ständige Bedürfnis nach dem neusten Handymodell der Menschen in Deutschland mit vergifteten Trinkwasservorkommen in Argentinien?

Abbau von Lithium

Ein unverzichtbarer Bestandteil von Akkus und Batterien für Handys und Laptops ist auf Grund seiner guten Speicherfähigkeit das Metall Lithium. Verwendet wird es aber nicht nur für die moderne Informationstechnologie sondern auch für die Batterien von Elektro-und Hybridfahrzeugen. Der bis dato steigende Durst nach dem Rohstoff hat geradezu einen Abbau-rush ausgelöst, der dem begehrten Stoff den Spitznamen „weißes Gold“ eingebracht hat. Auf dem Hochplateau, das sich die drei südamerikanischen Länder Chile, Argentinien und Bolivien teilen, lagern 85% der weltweiten Lithiumvorkommen – und zwar einfach zugänglich, in Salzseen unter offenem Himmel. Der Abbau von Lithium in einer der trockensten Gegenden der Welt, dem Gebiert der großen Seen im Nordwesten Argentiniens, wird dramatische Auswirkungen auf die Wasserreserven vor Ort haben. Zur Gewinnung von Lithium werden große Mengen von Wasser benötigt: Das Grundwasser in den Salzseen, welches einen sehr hohen Mineralanteil aufweist, wird in künstliche Becken gepumpt. Durch zahlreiche Verdunstungsschritte kommt es zu einer Erhöhung der Lithiumkonzentration in den Becken, so dass es dann entnommen und weiterverarbeitet werden kann. Die erhöhte Verdunstungsrate und der dadurch sinkende Grundwasserspiegel führen aber für die Menschen vor Ort und die fragilen Ökosysteme zu gravierenden Wasserproblemen.

Erfahren Sie, wie sich die lokale Bevölkerung zur Wehr setzt > Der Rat der Indigenen Organisationen von Jujuy in Argentinien

Abbau von Gold

Ähnliche Risiken birgt der Abbau von Gold. Für das Herauswaschen des Rohstoffes aus dem gesprengten Gestein wird sehr viel Wasser benötigt. Dies geschieht zudem oft in Regionen, die unter Wassermangel leiden. Außerdem werden giftige Chemikalien, wie Cyanid, dazu verwendet, das Gold vom Gestein zu lösen. Cyanid ist an sich bereits toxisch. In Verbindung mit der Luft entstehen Schwefelsäuren, die das Grundwasser zusätzlich dauerhaft vergiften. Die Produktion von 30g Gold für einen Ehering hinterlässt ungefähr 20 Tonnen mit Cyanid belasteten Gerölls.

 

Der Wasserraub, der durch Verknappung und Verunreinigung der natürlichen Wasservorkommen geschieht, ist aber nicht nur ökologisch gesehen ein Desaster. Er verstärkt außerdem, durch die ungleichen Machtstrukturen zwischen den beteiligten Akteuren, ungerechte gesellschaftliche Verhältnisse, z.B. Fragen des Zugangs- und der Verteilung der lebensnotwendigen Ressource Wasser. Internationale Bergbaufirmen und Regierungen armer Länder schließen meist hinter verschlossenen Türen Abkommen, die Menschen ihrer Lebensgrundlage berauben. Die Bevölkerung wird selten über die Vergabe von Konzessionen informiert, geschweige denn in Entscheidungsprozesse mit eingebunden. Doch es ist nicht die Profitorientierung der internationalen Konzerne allein, die diese Skrupellosigkeit gegenüber Menschen und Natur zulässt. Für die als Teil der globalisierten Wirtschaft unter Wachstumsdruck stehenden Regierungen der Abbauländer stehen hier die Einnahmen aus der Vermarktung ihrer Rohstoffe im Vordergrund. Jedoch kommen die erhofften Profite aus der Bergbauindustrie nur Wenigen zugute. In den rohstoffexportierenden Ländern werden Beschäftigungsmöglichkeiten oft nur im Niedriglohnsektor und mit prekären Arbeitsbedingungen geschaffen. Die Steuereinnahmen aus dem Bergbausektor sind weitaus geringer als die Kosten, die durch Umweltverschmutzung und Verlust der Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung anfallen. Auch die Entwicklung der Infrastruktur zum Export der Produkte hat nur einen geringen bis keinen Nutzen für die lokale Bevölkerung. Die größten Gewinne liegen bei den weiterverarbeitenden Firmen im globalen Norden: Eine Batterie des Elektroautos Nissan Leaf kostet ca. 20.000 US-Dollar. Für das rohstoffliefernde Land, wo das für die Batterie benötigte Lithium abgebaut wird, verbleiben ca. 40 US-Dollar.