Weltfriedensdienst e.V.

Wassermangel - problematisch für Mensch und Umwelt

Als Trockenregionen werden weltweit Regionen mit stetigem Wassermangel bezeichnet.38 Sie liegen überwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten mit saisonal oder ganzjährig geringen Niederschlagsmengen und nehmen weltweit eine Fläche von 48 Millionen km² ein. Das sind 36 Prozent der Festlandsregionen der Erde.37

Aktuell leben hier etwa 1,3 Milliarden Menschen40, die meisten von ihnen in direkter wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Land. Sie stellen drei Viertel der weltweit ärmsten Menschen. Klimawandel, fortgesetzte Übernutzung der Ökosysteme und Bevölkerungswachstum führen nach Schätzungen der OECD bis zum Jahr 2030 zu einer Verdreifachung der von Wasserknappheit betroffenen Menschen.

Da es Trockenregionen überwiegend viel Sonne und keine bzw. sehr milde Winter gibt, sind diese Gebiete für die landwirtschaftliche Nutzung attraktiv. Viele Nahrungsmittel und Industrierohstoffe können nur hier angebaut werden, sofern der wegen hoher Temperaturen erhöhte Wasserbedarf der Pflanzen auch in Trockenzeiten aus zusätzlichen Quellen gedeckt werden kann.

So werden große Mengen Grund- und Oberflächenwasser eingesetzt, um Großfarmen, Plantagen und Weideflächen in heißen, trockenen Regionen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens aber auch Europas und den USA zu bewirtschaften. Mit der Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte wie Sojabohnen, Fleisch, Ölfrüchte, Gemüse, Obst, Kaffee und Zierpflanzen wird auch das bei der Erzeugung verbrauchte Wasser virtuell aus den Anbauregionen exportiert. Deutschland importiert auf diese Weise pro Kopf und Tag im Durchschnitt etwa 1500 Liter Wasser. Das sind 40 Prozent des Gesamtverbrauchs.

Besonders in Gebieten, die saisonal oder ganzjährig von Wassermangel geprägt sind, wird bei großflächig intensiver Nutzung zwangsläufig mehr Wasser verbraucht als in das Ökosystem direkt als Niederschlag fällt und indirekt über Grundwasserströme und Flüsse zugeführt werden kann. In der Folge sinken Grundwasserspiegel, versalzen Seen und trocknen Flüsse aus.

Beschleunigt wird dieser Prozess durch das Abholzen von Wäldern zur Gewinnung von Weide- und Anbauflächen und die schnelle Degradation von Böden durch ihre großflächig industrielle Bearbeitung. Wald und Boden verlieren damit ihre wichtige Fähigkeit Wasser zu speichern. Auf diese Weise kann zum Beispiel tropischer Regenwald innerhalb kürzester Zeit in eine Trockenregion umgewandelt werden.

Kapitalstarke Agrarkonzerne können diese Entwicklung eine Zeit lang mit technischen Mitteln, beispielsweise durch das Anbohren tieferer fossiler Grundwasserschichten verzögern. Die Bevölkerung in den betroffenen Ländern ist der Erschöpfung ihrer lebenswichtigen Wasserressourcen aktuell schutzlos ausgeliefert.

 

 


Das kann ich tun

Um den eigenen Wasserfussabdruck zu senken, macht es also Sinn bei Lebens- und Genußmitteln, Kleidung und anderen Produkten auf die Herkunft zu achten. Das ist nicht immer einfach, da vor allem bei weiterverarbeiteten Produkten die Herkunft der Bestandteile nicht mehr ersichtlich ist. Auch sind viele Produkte so komplex, dass kaum jemand weiß, was alles drin steckt. Zum Beispiel stammen in Informationstechnologie verarbeitetes Gold oder Lithium oft aus Trockenregionen. Der Abbau ist extrem Wasserintensiv und gefährdet den Wasserhaushalt der fragilen Ökosysteme.

Hier gilt es also zu überlegen, ob es das technische Gerät denn wirklich braucht und es nach der Anschaffung möglichst lange zu nutzen und ggf. reparieren zu lassen, bevor ein neues angeschafft wird.

Bei Lebensmitteln ist die Herkunft in der Regel gekennzeichnet und Alternativen klarer. Südeuropa, Nordafrika und der Nahe Osten sind Trockenregionen. Dennoch stammen insbesondere im Winter viele in Deutschland erhältliche Lebensmittel von dort. Mit Blick auf den Wasserfußabdruck kommen sie bei Gemüse aus z.B. niederländischen Gewächshäusern sehr gut weg. Ansonsten sind regional und damit automatisch saisonal produzierte Lebensmittel ein gute Wahl! 

 


Das tun wir

Als Weltfriedensdienst e.V. unterstützen wir seit Jahren erfolgreich kleinbäuerliche Selbsthilfeinitiativen in verschiedenen Trockenregionen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung agrarökologischer Ansätze zur Produktion von Nahrungsmitteln. Dabei geht es auch darum mit Klimawandel und unregelmäßigen oder sogar ausbleibenden Regenfällen besser zurechtzukommen. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource Wasser macht selbst in wasserarmen Regionen eine ertragreiche landwirtschaftliche Produktion möglich!

Wasser ernten, sparen, speichern

> Wald zu erhalten und Bäume zu pflanzen ist die wirksamste Methode zur Speicherung von Wasser und zur Stabilisierung des lokalen Wasserkreislaufes.

> Sickergräben quer zum Gefälle eines Feldes helfen, herabfließendes Wasser aufzufangen und effektiv zu "ernten". Es versickert und hält das Feld nachhaltig feucht.

> Erntereste auf dem Boden schützen Felder vor Verdunstung und Austrocknung. So wird das Wasser im Boden erhalten.

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> Kleine Wasserschläuche führen einzelnen Pflanzen nur tröpfchenweise Wasser zu. Durch diese Form der Minimalbewässerung werden große Mengen Wasser gespart.

Sie können diese Arbeit mit einer Spende unterstützen.


Der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource Wasser macht selbst in wasserarmen Regionen eine ertragreiche landwirtschaftliche Produktion möglich! Auf dem Feld rechts wurden Techniken des Wassererntens erfolgreich angewendet.

Über unsere Projektunterstützung hinaus wollen wir als Weltfriedensdienst e.V. auch auf globale Strukturen aufmerksam machen, die hinter den Ungleichheiten beim Zugang zur Ressource Wasser stehen. Dabei setzen wir auf den Begriff einer global konzipierten Ressourcengerechtigkeit. Beispiele dafür sind etwa die Hauptverantwortlichkeit der Industrienationen für den Klimawandel oder allgemeine globale Konsumungleichgewichte. Mit unserer Wasserampel möchten wir besonders unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen und gegebenenfalls zum Umdenken anregen.