Weltfriedensdienst e.V.

Palmöl in jedem zweiten Produkt

Palmöl mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr das meist produzierte Pflanzenöl. Jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält Palmöl.58 Neben der Verwendung von Palmöl in Lebensmitteln, Kosmetik- und Körperpflegeprodukten, fällt in der EU etwa ein Viertel des Palmölverbrauchs für Elektrizität und Wärme an. Fast die Hälfte (45 Prozent) des Palmölverbrauchs wird in Biosprit investiert.58 Hauptursache für diesen hohen Verbrauch ist vor allem die 2009 von der EU beschlossene Beimischungspflicht von Agro Sprit.

In der Konsequenz kommt es zur massiven Abholzung des Regenwaldes. Auf der ganzen Welt musste schon eine Fläche so groß wie Neuseeland, mehr als 27 Millionen Hektar, den Palmölplantagen weichen.58 Problematisch ist zum einen die Regenwaldabholzung, mit dem damit einhergehenden Waldverlust und Artentod, der Vertreibung und der beschleunigten Erderwärmung aufgrund der freigesetzten Treibhausgase. Hinzu kommt die wasserintensive Bewässerung der Palmölplantagen

Zusätzlich ist der Biosprit im Verbrauch sehr wasserintensiv, für einen Liter Biokraftstoff werden 3500 Liter Wasser benötigt.59 Der aus Palmöl produzierte Biosprit ist deshalb nicht nur in Bezug auf den CO2-Abdruck, als auch auf den Wasserfußabdruck die schlechtere Wahl im Vergleich zu herkömmlichem Sprit.

Auch in mehr als 500 Bioprodukten lässt sich Palmöl finden, das meist, im Gegensatz zur konventionellen Palmöl-Gewinnung, aus Südamerika und nicht aus Südostasien kommt.

Bio-Palmöl - eine Alternative?

Die Daabon Gruppe, die laut eigener Philosophie für den Anbau und Vertrieb qualitativ hochwertiger, organischer und nachhaltiger Produkte steht, baut in Las Pavas Ölpalmen an. Sie stellt die Produkte für Marken wie Allos, Alnatura, Rapunzel und The Body Shop her. Da die Pflanzen zum Gedeihen große Mengen an Wasser benötigen, werden Oberflächengewässer und Grundwasser übermäßig genutzt. Zudem werden Wasserkanäle aus den umliegenden Bergen gebaut, einhergehend mit einer zunehmenden Tendenz zur Desertifikation. Auch in Aracataca leidet die lokale Bevölkerung sehr unter dem durch die Bewässerung der Bio-Palmölplantagen sinkenden Wasserspiegel und der Versalzung der umliegenden Seen. Fast jeder zweite Einwohner (41 Prozent) verfügt über keinen Zugriff auf Wasser. Im Klartext kann also zumindest im Fall der Daabon Gruppe gesagt werden: Der einzige Vorteil an Biopalmöl ist der Biolandbau als Alternative zu Chemie und Gentechnik. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Palmöl nachhaltig und sozialverträglich anzubauen – allerdings in kleinen Kooperativen, wie zum Beispiel in Ghana. Aus diesen kleinen Mengen kann aber leider nicht einmal der Bedarf der Bio-Hersteller gedeckt werden.


Das kann ich tun

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Wenn auch Bio-Palmöl keine wirkliche Alternative darstellt, worauf können wir dann beim Einkauf von Lebensmitteln und Produkten achten?

Momentan sind nur in den seltensten Fällen umweltverträgliche Alternativen zu finden. Deshalb bleibt nur die Möglichkeit, den eigenen Palmöl-Konsum zu reduzieren. Dabei ist es gut zu wissen, dass viele Fertigprodukte, Fastfood und Süß- und Knabberwaren Palmöl enthalten. Ein einfacher Weg ist also, selbst mehr und vor allem gesund zu kochen. Gleichzeitig sollte man beim Kauf von Lebensmitteln, Kosmetik- und Körperpflegeprodukten das Kleingedruckte lesen, bei Unsicherheit nachfragen oder Apps wie Codecheck verwenden.


Das tun wir

Der Weltfriedensdienst arbeitet zusammen mit der peruanischen Partnerorganisation  KENÉ (Instituto de Estudios Forestales y Ambientales) und Rettet den Regenwald e.V. aus Deutschland, um die Regenwaldzerstörung in Peru zu bremsen und die ökologischen und sozialen Folgen zu mindern. Große Gebiete mussten bereits Projekten der industriellen Landwirtschaft weichen, insbesondere Palmölplantagen.

Peru gehört zu den Ländern mit der höchsten Biodiversität der Erde. Zwei Drittel seiner Fläche sind mit Regenwald bedeckt. Durch ihn fließen zahlreiche große und kleine Flüsse, die in den  Amazonas münden. Der Regenwald ist die Heimat zahlreicher indigener Bevölkerungsgruppen.

Die Abholzung des Regenwaldes geht Hand in Hand mit der Verschlechterung der Lebensbedingungen oder sogar Vertreibung der dort lebenden Menschen, Zerstörung der Biodiversität, Bodenverlust und Wasserverschmutzung und einem Anstieg der Treibhausgasemissionen.

Gemeinsam Menschenrechte stärken

Arbeitsansatz ist die Stärkung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure, darunter insbesondere lokale Selbsthilfegruppen von Betroffenen und indigene Organisationen. Sie werden unterstützt, ihre Interessen zu vertreten und ihre Rechte einzufordern. Dafür wird der Austausch mit AnwältInnen, Institutionen und staatlichen Organen gefördert. Oft bekommen politische EntscheidungsträgerInnen erst so einen Einblick in die Situation der abgelegenen Dörfer im Regenwald. Deshalb können sie nicht schnell genug handeln, um beispielweise Menschenrechtsverletzungen oder illegale Holzeinschläge zu verhindern. KENÉ fällt dabei auch die Rolle eines Watchdogs zu, der die Verletzung peruanischer umwelt- und menschenrechtlicher Standards im Zusammenhang mit agroindustriellen Investitionsvorhaben dokumentiert und juristisch bearbeitet.

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