Weltfriedensdienst e.V.

Nachhaltige Landwirtschaft – Bio ist nicht gleich nachhaltig

70 Prozent des weltweit verfügbaren Frischwassers wird von der Landwirtschaft verbraucht. Überwiegend geht das Wasser dabei im globalen Kreislauf aus Verdunstung und Niederschlag nicht verloren. Ein erheblicher Anteil wird jedoch als Folge landwirtschaftlicher Aktivitäten verschmutzt.

Mineralische Stickstoffdünger und Stickstoffhaltige Futterimperorte, wie Soja, bilden das Rückgrat der in Deutschland dominierenden industrialisierten Landwirtschaft. Ein großer Anteil dieser von außen zugeführten Nährstoffe fließt im Wortsinn durch das System hindurch und landet in Grund- und Oberflächengewässern. Hinzu kommt die Verschmutzung durch synthetische Pflanzenschutzmittel und Medikamente aus der Tierhaltung. Folgen sind zum Beispiel hohe gesundheitsgefährdende Nitratbelastungen, eine Zerstörung von aquatischen Ökosystemen und wachsende tote Zonen in Meeren wie Nord- und Ostsee.

Ökologische Landwirtschaft hingegen arbeitet weitgehend mit geschlossen Nährstoffkreisläufen, also ohne externe Nährstoffzuflüsse. Luftstickstoff-bindende Pflanzen, wie Leguminosen und die Versorgung von Tieren mit Futter von betriebseigenen Weide- oder Ackerflächen sind wichtige Eckpfeiler. Damit wird die Anzahl der Tiere samt ihrer Ausscheidungen an die verfügbare Fläche gekoppelt. Eine Überdüngung und Nährstoffauswaschung in Gewässer kann so vermieden werden.

Außerdem sind die Erhaltung und Verbesserung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit unverzichtbar für ökologisch wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern. Sie kümmern sich insbesondere um die obere Bodenschicht, den Humus. Humus besteht aus abgestorbener organischer Substanz und ist Lebensraum unzähliger Bodenorganismen. Gemeinsam bilden sie nicht nur die Grundlage für die Versorgung von Pflanzen mit Nährstoffen, sondern sorgen auch für ein stabiles Bodengefüge mit der Fähigkeit, Nährstoffe und Wasser langfristig und effektiv zu speichern. Erosionsschutz, Fruchtfolgen, Mischkultur, der Verzicht auf für das Bodenleben schädigende Pflanzenschutzmittel und ihre "Fütterung" mit Ernteresten, Gülle, Mist und Futterpflanzen, wie z.B. Leguminosen bilden das komplexe Rückgrat ökologischer Landwirtschaft.

In der industrialisierten Landwirtschaft hingegen spielen Böden oft nur noch die Rolle des Pflanzenbettes. Bodenerosion und der damit einher gehende Verlust an Humus und Bodenleben wird aus Effizienzgründen in Kauf genommen. Die Folgen werden mit Düngemitteln, Bewässerung, Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenzüchtung bekämpft.


Das kann ich tun

Um den eigenen Wasserfussabdruck zu senken, macht es also Sinn bei Lebensmitteln und Kleidung auf die Herkunft aus nachhaltiger Landwirtschaft zu achten. Leider sind Bio-Siegel dabei nur begrenzt aussagekräftig.

Produkte aus dem zwar konventionell aber nach den Prinzipien guter landwirtschaftlicher Praxis wirtschaftenden Familienbetrieb aus der Region haben da oft einen weniger bedenklichen Wasserfußabdruck.

Wer auf regionale Produkte achtet, ist automatisch saisonal unterwegs und vermeidet mit seinem Konsum die Belastung des Wasserhaushaltes von Trockenregionen.

Das EU-Bio-Siegel und das deutsche Bio-Siegel enthalten genaue Regelungen in Bezug auf die Verwendung von Pestiziden und chemischen Düngemitteln. Auch darf höchstens 0,9 Prozent der Erzeugnisse gentechnisch manipuliert sein und ein großer Teil der Futtermittel muß vom eigenen Betrieb oder zumindest aus der Region stammen. Damit wird indirekt eine Gewässerschonende Landwirtschaft zertifiziert - jedoch nicht garantiert, da Wasser kein Kriterium ist.

Wegen der erhöhten Nachfrage nach Bioprodukten drängen mehr und mehr industriell wirtschaftende Betriebe auf den Bio-Markt. So können z.B. Gemüse - Großfarmen, die das spanische Andalusien mit ihren Folientunneln überziehen, durch den Verzicht auf schnell lösliche mineralische Dünger und synthetische Pflanzenschutzmittel das EU-Bio-Siegel bekommen, obwohl sie durch intensive Bewässerung die Gewässer in der Trockenregion massiv übernutzen. Die Stickstoffgaben sind nicht begrenzt.
In der Tierhaltung erlauben alle gängigen Biosiegel den Zukauf von Futter, das EU-Biosiegel sogar die Verwendung von konventionell erzeugtem Futter. Damit ist nicht auszuschließen, dass indirekt z.B. die Abholzung von Regenwald in Brasilien als Bio zertifiziert wird.

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Neben dem deutschen und EU-Bio-Siegel gibt eine Reihe von Logos von traditionellen Bio-Bauernverbänden wie beispielsweise Naturland, demeter oder Bioland. Ihre Kriterien sind strenger. Beispielsweise sind Vorschriften für Betriebsmittel und Rohstoffe aus der Region und die Ausbringung von Pestiziden und chemischen Düngemitteln noch genauer reglementiert. Verfahren, wie die Einhaltung von Fruchtfolgen mit einem Anteil an Leguminosen sind vorgeschrieben. Konventionelle und ökologische Landwirtschaft können nicht parallel betrieben werden.

Eine gute Übersicht zu Bio-Siegeln und Logos von Bio-Anbauverbänden sowie Unternehmen findet sich auf biorama.eu und auf biodukte.de.


Das tun wir

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Land nachhaltig bewirtschaften

Als Weltfriedensdienst e.V. unterstützen wir seit Jahren erfolgreich kleinbäuerliche Selbsthilfeinitiativen in verschiedenen Ländern bei der Umsetzung und Weiterentwicklung agrarökologischer Ansätze zur Produktion von Nahrungsmitteln. Dabei geht es auch darum mit Klimawandel und unregelmäßigen oder sogar ausbleibenden Regenfällen besser zurechtzukommen. Ziel unserer Arbeit ist, die natürlichen Produktionsgrundlagen, wie Wasser, Boden und Wald, zu schützen. Wir setzen dabei erfolgreich auf eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, die in Kreisläufen organisiert ist.
Wir stellen dabei immer wieder fest: Erhalten Kleinbäuerinnen und – bauern Zugang zu Wasser und Land, Saatgut, Ausrüstung und Wissen, z.B. über geeignete Anbau- und Bewässerungsmethoden, können sie auf der Fläche mehr Nahrungsmittel produzieren als industrialisierte Landwirtschaftsbetriebe. Zum Beispiel in Simbabwe und Senegal.

Konflikte gewaltfrei bearbeiten

Wir arbeiten mit lokalen Basisinitiativen in ländlichen Gebieten daran, Konflikte gewaltfrei auszutragen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Das gibt Menschen die Sicherheit, sich um die Produktion von Nahrungsmitteln zu kümmern. Gewaltsam ausgetragene Konflikte stören die Landwirtschaft empfindlich. Oft können Felder nicht mehr bewirtschaftet werden, wird Vieh geraubt und werden Menschen von ihrem Land vertrieben. In der Folge sinken die Erträge und damit die lokal verfügbaren Nahrungsmittel. Zum Beispiel in Simbabwe und Burundi.

Advocacy – für die Änderung politischer Rahmenbedingungen eintreten

Wir unterstützen unsere Partnerorganisation dabei, das Recht der Menschen auf Zugang zu ihren eigenen lokalen Produktionsressourcen, wie Land und Wasser durchzusetzen. Nationale Agrarreformen müssen diesem Ziel dienen. Wir machen auf die Kriminalisierung sozialer Bewegungen aufmerksam und zeigen Politikerinnen Alternativen auf zum Einsatz von Gewalt als Mechanismus zur Konfliktlösung.
Wir wirken darauf hin, dass unsere Regierungen auf EU-, Bundes- und Länderebene eine in diesem Sinne verantwortliche Sicherheits-, Wirtschafts-, Finanz-, Handels-, Sozial-, Umwelt- und Landwirtschaftspolitik betreiben.
Mit entwicklungspolitischer Bildungsarbeit bemühen wir uns, die Zivilgesellschaft in Deutschland zu verantwortlichem Handeln zu aktivieren. Zum Beispiel in Senegal und Deutschland.

Sie können diese Arbeit mit einer Spende unterstützen.