Weltfriedensdienst e.V.

Zu viel Müll?

Laut einer Studie von Statista zum kommunalen Abfallaufkommen in den EU-Ländern betrug der kommunale Müll in Deutschland (hauptsächlich Haushaltsmüll) im Jahr 2014 618 Kilogramm pro Person. Damit haben Deutsche den zweitgrößten Müllverbrauch im Vergleich mit BewohnerInnen anderer EU-Staaten.60

Verpackungen - wasserintensiv und umweltschädlich

Dabei entfallen zwei Drittel auf Verpackungen, die sehr wasserintensiv und umweltschädlich sind. In einem Blatt Papier stecken ca. 10 Liter Wasser, in einem Kilogramm Papier ca. 2000 Liter.61Auch die Herstellung von Plastikverpackungen kann sehr wasserintensiv und wasserverschmutzend sein. Lebensmittel werden oft in unverhältnismäßig viel und großer Verpackung verkauft. Dadurch wird der Wasserfußabdruck über ein evtl. aus lebensmittelhygienischen Gründen notwendiges Maß hinaus erhöht. (Neue Verpackungsordnung?)

Politische Ziele, den Verpackungsmüll zu reduzieren, schlugen bislang fehl. Im Gegenteil, nach Angaben der Verbraucherschutzzentrale NRW kam es  von 2009 bis 2014 sogar zu einer Steigerung des Verpackungsmülls um 18 Prozent. Stark rückläufig sind nur Dosenverpackungen, einhergehend mit mehr Kunststoffverpackungen. Mittlerweile werden mehr Lebensmittel in Plastik verpackt (knapp 2,9 Millionen Tonnen pro Jahr in Deutschland) als in Glas (2,75 Millionen Tonnen).62

Gebrauchsgegenstände

Schon im Jahr 2009 fielen in Deutschland pro EinwohnerIn 29 Kilogramm Sperrmüll an. Dazu kommen auf jede/n EuropäerIn durchschnittlich 20 Kilogramm Elektroschrott pro Jahr. Beim Abbau von Rohstoffen für Gebrauchsgegenstände, sowie im Produktionsprozess werden in der Regel große Mengen an Wasser und Energie verbraucht. Zum Beispiel stammen in Informationstechnologie verarbeitetes Gold oder Lithium oft aus Trockenregionen. Der Abbau ist extrem Wasserintensiv und gefährdet den Wasserhaushalt der fragilen Ökosysteme.

Jedes achte Lebensmittel wird in Deutschland weggeworfen

Hinzu kommt, dass jedes achte in Deutschland gekaufte Lebensmittel weggeworfen wird.63 Damit geht einher, dass auch die Menge an virtuellem Wasser “weggeworfen” wird, die für die Produktion dieser Lebensmittel aufgebracht wurde. Das Wegwerfen von Lebensmitteln findet sowohl in der Produktion, als auch im Konsum der Lebensmittel statt. Durch ihren Anspruch auf ständige Verfügbarkeit und vermeintliche Frische sind sowohl der Einzelhandel als auch die VerbraucherInnen für nahezu die Hälfte aller Lebensmittelverluste verantwortlich.

Schon während der Ernte wird aussortiert, was nicht die industriellen Standards erfüllt. Neben diesem nicht unerheblichen Anteil an Lebensmitteln, der schon während der Ernte verloren geht, geht ein Drittel der Lebensmittelverluste in der deutschen Industrie darauf zurück, dass so genannte Rückstellmuster zur Qualitätssicherung gebildet werden müssen. Zusätzlich kommt es zu Lebensmittelverlusten auf Seiten des Verbrauchers, der zu große Portionen kocht oder den vielleicht noch guten Joghurt mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum sicherheitshalber in den Müll befördert. 

 

 


Das kann ich tun

Um den eigenen Wasserfussabdruck zu senken, macht es also Sinn Haushaltsmüll reduzieren. Mit ein paar kleinen Maßnahmen lässt sich das schnell machen:

> Einkäufe besser planen.

> Prüfen, ob Lebensmittel nicht auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch problemlos genießbar sind. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum gilt nur als Empfehlung und Richtwert.

> Weniger aufwendig verpackten Lebensmitteln den Vorrang geben. Denn diese lassen den Rückschluss zu, dass der Hersteller bei seinem Produkt unachtsam große Mengen an virtuellem Wasser verschwendet hat.

> Bewusst auf die richtige Mülltrennung achten, um ein Papier- und Kunststoffrecycling zu ermöglichen.

> Abfallentsorgung richtig angehen und Bußgelder vermeiden.

> Recyceltes Papier verwenden.

Mehr Lebensmittel vor dem Schicksal zu bewahren, weggeschmissen anstatt gegessen zu werden, hat sich auch THE GOOD FOOD zum Ziel gemacht. Vor kurzem hat das Start-Up einen kleinen Laden in Köln-Ehrenfeld eröffnet, indem  aussortierte Lebensmittel angeboten werden, die den Standards der Industrie nicht entsprechen und nie den Weg in den konventionellen Supermarkt gefunden hätten. Krumme Möhren, zu kleine Kartoffeln, oft mit den Bauern zusammen „nachgeerntet“ und „stoppeln“ , werden mit Lebensmitteln, die trotz überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum unbedenklich zum Verzehr geeignet sind, ergänzt. Dabei werden keine festen Preise verlangt, der Laden funktioniert nach dem „Zahl, was Du kannst“-Konzept.

  • BildAuch in Berlin wird immer wieder in verschiedenen Aktionen dazu aufgerufen, aussortierte Lebensmittel zu retten, wie bei dem Projekt Schnippeldisko, den CulinARy MiSfiTS oder durch den Verein RESTLOS GLÜCKLICH e.V., der ein Bewusstsein für den Lebensmittelkonsum und die damit einhergehende Verschwendung schaffen möchte. Wer seine Nachbarschaft und/oder ganz Berlin an übrig gebliebenen Gerichten und Lebensmitteln teilhaben lassen möchte, kann sich zudem auf nebenan.de oder foodsharing.de anmelden.


Das tun wir

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Wie die Pflege eines Pflanzensetzlings über sein späteres Wachstum entscheidet, wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern über die Arbeit an Schulen Umweltbewusstsein in der Gesellschaft verankern. Darüber hinaus soll über die Einrichtung von Schulgärten und das praktische Kennenlernen von ökologischer Landwirtschaft für die Schulkinder ganz einfach regelmäßig ausreichend und gesunde Nahrung zur Verfügung gestellt werden.

Im Senegal ist durch die Zusammenarbeit mit Schulen in Deutschland mit unserem langjährigen Partner ProNat ein Umweltbildungsprogramm mit zahlreichen senegalesischen Schulen aufgebaut worden. Ein Schwerpunkt ist Umweltverschmutzung durch Müll zu vermeiden.

In Simabwe und Sambia haben wir lange Zeit die Umweltschutzorganisation EnvironmentAfrika mit Projekten unterstützt. Unter anderem haben unsere Partner dadurch sogenannte Umweltaktionsgruppen fördern und begleiten können. Diese haben z.B. auch gemeinschaftliche Müllsammlungen und öffentliche Kampagnen zur Müllvermeidung und - Trennung durchgeführt. Wir arbeiten mit dem Partner gerade an der Entwicklung eines neuen Projektes.

Sie können diese Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Jedes Jahr nehmen weltweit 35 Millionen Menschen an der Aktion Clean Up the World teil. Im Jahr 2015 haben wir eine Berliner Version gestartet und sie 2016 wiederholt: Clean Up the Landwehrkanal.