Weltfriedensdienst e.V.

Die unsichtbare Gefahr von Mikroplastik

Unter Mikroplastik versteht man mikroskopisch kleine Kunststoffe, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie bestehen aus festen und unlöslichen synthetischen Polymeren (Kunststoffen).

Die Kunststoffe lassen sich in primäre und sekundäre Mikroplastik unterscheiden. Primäre Partikel sind industriell hergestellte Formkörper. Diese werden bewusst produziert und Produkten zugegeben (Microbeads), z.B. in Kosmetik- und Hygieneprodukten. Gleichzeitig dienen sie als Rohstoff für die Herstellung unterschiedlichster Kunststofferzeugnisse. Sekundärer Plastik beschreibt das Produkt, das durch den Zerfallsprozess größerer Plastikteile in der Umwelt entsteht, beispielsweise wenn industriell hergestellte Plastiktüten (aus primärem Mikroplastik) im Laufe der Zeit verfallen.52

Mikroplastik in Kosmetikprodukten

 In Kosmetikprodukten wird zudem nicht nur partikuläres Mikroplastik verwendet, sondern auch andere synthetische Kunststoffe, die die Eigenschaft besitzen, im Wasser zu quellen und zum Teil auch löslich sind. Sie werden als günstiges Schleifmittel in Zahnpasta und Peelings genutzt, um Duschgels milchig zu machen und Cremes zu binden, aber auch als einfacher Füllstoff in Puder, Rouge und Lippenstift. Auch andere Spurenstoffe die negative Auswirkungen auf die Ökosysteme im  Wasser oder auf die Trinkwassergewinnung haben sind in Kosmetika enthalten.  Da lokale Kläranlagen Mikroplastik und Spurenstoffe nur bedingt herausfiltern können, haben diese  sich bereits in unserer gesamten Umwelt verteilt und lassen sich nicht mehr entfernen. Durch das lokale Abwasser gelangt Mikroplastik  täglich in Meere, Flüsse und Böden und wird dort durch Landmaschinen immer tiefer und weiter eingearbeitet.

 

Mikroplastik in Nahrungsmitteln

Durch die Eigenschaft des Mikroplastiks, toxische Stoffe an der Oberfläche anzuheften, zieht es Umweltgifte an und bildet so eine große Gefahr für Lebewesen, Organismen und Pflanzen. Laut dem "Five Gyres Institute" befinden sich in den Tiefen unserer Ozeane schätzungsweise 270.00  Tonnen Kunststoffpartikel.53 Diese werden von Lebewesen sowohl passiv, als auch aktiv über die Nahrung aufgenommen und können Entzündungen bis hin zum Tod auslösen. In der logischen Konsequenz können auch wir Menschen, beispielsweise über das leckere Fischfilet auf unserem Teller, Mikroplastik zu uns nehmen. Doch auch VegetarierInnen nehmen Mikroplastik oft unwissend auf. In einer Studie von "Environmental Science and Technology" wurde auch in Salz, Honig, Mineralwasser und Bier bereits Mikroplastik nachgewiesen.54

Noch ist das Thema zu wenig erforscht, um mit Gewissheit sagen zu können, wie sich die Aufnahme von Mikroplastik auf den Menschen auswirkt. Der Pflanzenökologe Matthias Rillig befürchtet, dass genau diese Unwissenheit zum Problem werden könnte55. Er hat Angst, dass Mikroplastik im Laufe der Zeit immer weiter fragmentiert werden könnte, bis hin zu Nanoplastik. In der Konsequenz würde es von Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen und sich bis in die Blätter ausbreiten. Durch diese Kausalkette würde der Mensch Mikroplastik nicht mehr primär nur über Fisch oder Meerestiere, sondern auch über Agrarprodukte aufnehmen und zudem über feinen Staub wie Asbest oder Blütenpollen einatmen.


Das kann ich tun

Wie kann die enorme Summe an täglichem Mikroplastik verringert werden? Laut dem Wissensmagazin scinexx schwemmt allein der Rhein im Durchschnitt täglich eine Fracht von 191 Millionen Plastikteilchen in Richtung Nordsee.66 In Deutschland werden Hersteller und somit auch die VerbraucherInnen vor die freie Wahl gestellt, Produkte mit Mikroplastik zu produzieren oder zu konsumieren. In den USA wird nicht auf den „freiwilligen Verzicht der Hersteller“ vertraut, die Herstellung und der Verkauf von mikroplastikhaltigen Produkten ist verboten. Zum Ende dieses Jahres hat Großbritannien angekündigt, nachzuziehen, um den jährlichen 4360 Tonnen Mikroplastik (2012)56 in Europa entgegenzuwirken.

Um die Verwendung von Mikroplastik langfristig stark zu verringern, müssen die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dabei geht es nicht nur um ein reines Verbot von Mikroplastik, sondern primär darum, den Weg von Mikroplastik in Gewässer zu vermeiden. Denn bei jedem Waschgang löst sich eine große Menge Plastikfasern aus der Kleidung, die in Kläranlagen erst wieder herausgefiltert werden muss.57

Zwar können textile Mikrofasern weitgehend entfernt werden, bei kleinere Mikroplastikpartikeln wie zum Beispiel in Kosmetika gelingt dies jedoch nicht. Sie gelangen so in Grundwasser und Böden. Immer wieder werden Forderungen, wie zum Beispiel von PLASTICCONTROL laut, Kläranlagen mit Filtern auszurüsten, die das Mikroplastik auf ihrem Weg ins Gewässer stoppen sollen. Der OOWV (Oldenburg-Ostfriesischer Wasserverband) hat eine Tuchfiltration entwickelt, mit der bis zu 97 Prozent der Plastikpartikel gefiltert werden können. Die Lösungen wären schon gefunden, sie müssen „nur noch“ finanziert und verbreitet werden. Keine Lösung gibt es bislang für das Problem, dass Regenwasser, was ebenfalls Mikroplastik durch beispielsweise Reifenabrieb enthält, überwiegend ungefiltert in die Natur gelangt.

Bis dahin bleibt der Verbraucherin und dem Verbraucher nur die Wahl, im Dschungel des Produktangebots den Überblick zu behalten und bewusst auf Produkte ohne Mikroplastik zu achten. Hilfreich ist zum einen der Einkaufsratgeber vom BUND, als auch Apps wie Codecheck, die auf einen Blick zeigen, ob sich in dem jeweiligen eingescannten Produkt Mikroplastikpartikel verstecken.


Das tun wir

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Mit unserer Wasserampel möchten wir unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen und gegebenenfalls zum Umdenken anregen. Dabei berufen wir uns auf das Konzept des Virtuellen Wassers, das offen legt, in welchem Ausmaß Wasser in der Herstellung von Nahrungsmitteln oder Industrieprodukten verbraucht wird. Dabei wird deutlich, dass gerade aus den Trockenregionen der Erde zu viel Wasser für die Herstellung von Exportprodukten verbraucht wird.

Jedes Jahr nehmen weltweit 35 Millionen Menschen an der Aktion Clean Up the World teil. Im Jahr 2015 haben wir eine Berliner Version gestartet und sie 2016 wiederholt: Clean Up the Landwehrkanal.

Machen Sie mit und kommen Sie im September 2017 zu unserer diesjährigen Aktion, wo es wieder Clean Up the Landwehrkanal heißen wird. Abonnieren am Sie am besten unseren Newsletter.