Weltfriedensdienst e.V.

Lang lebe die Kleidung

Laut einer Studie des WWF konsumieren Deutsche im Durchschnitt 11 Kilogramm Bekleidungstextilien im Jahr. Das entspricht ca. 30-60 Kleidungsstücken pro Jahr. Davon sind viele aus Baumwolle.46

Baumwolle

Das sehr alte landwirtschaftliche Produkt Baumwolle hat einen höchst problematischen Wasserfußabdruck von durchschnittlich 11000 Liter pro Kilogramm.47 Baumwolle ist sehr empfindlich, extrem bewässerungsintensiv und wird fast ausschließlich in Trockenregionen bzw. Halbwüstenregionen angebaut. Grund für den Anbau in trockenen Regionen ist die Tatsache, dass Regen die gesamte Ernte vernichten könnte, da sich die Knospen vollsaugen und verfaulen können. Deshalb werden laut Berichten des BR zwei Drittel der weltweiten Baumwollanbaufläche künstlich bewässert – rund die Hälfte aller bewässerten Flächen auf der Welt. Dort werden Oberflächengewässer – wie der Aralsee in Usbekistan – oder das Grundwasser angezapft, die dann auf lange Sicht austrocknen und ganze Regionen unfruchtbar machen. Auch werden im konventionellen Anbau – welcher 99.5 Prozent der Welternte ausmacht – große Mengen an Pestiziden und synthetischen Düngern angewendet, die den Wasserhaushalt der betreffenden Regionen zusätzlich stark belasten.48

Doch nicht nur beim Anbau, sondern auch bei der Weiterverarbeitung der Baumwolle fallen große Mengen an grauem, sprich durch die Produktion verschmutztes, Wasser an. Das Umweltinstitut München e.V. weist darauf hin, dass der Kauf eines einzigen Baumwoll-T-Shirts aus biologischer Baumwolle circa sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger bewahrt.49

Polyester

Ein großer Teil der konsumierten Bekleidungstextilien pro Jahr ist aus Polyester oder anderen Kunstfasern. Diese haben keinen direkten Wasserfußabdruck, da sie aus dem nicht nachwachsenden Rohstoff Erdöl gewonnen werden. Dennoch können auch sie den weltweiten Wasserhaushalt stark belasten, denn sie sind in der Entsorgung nur schwer biologisch abbaubar und belasten die Umwelt stark in Form von Müll. Bei jedem Waschgang lösen sich bis zu 1900 Mikroplastikfasern aus der Kleidung. In Deutschland können diese allerdings in hochentwickelten Kläranlagen aus dem Abwasser herausgefiltert werden.

Leder

Ein weiteres beliebtes Material ist Leder. Zur Erzeugung von einem Kilo (Rinds)Leder werden 16 600 Liter Wasser verbraucht.50 Dieser enorme Wasserverbrauch lässt sich mit dem schon sehr hohen Wasserverbrauch in der Haltung und Fütterung von Rind begründen, als Basis für die Herstellung von Leder. Zusätzlich fällt ins Gewicht, dass Leder laut des Vegetarierbundes Deutschland in vielen Fällen kein Abfallprodukt der Fleischerzeugung darstellt.51 Die Alternative Kunstleder wird zwar, wie Polyester, aus Erdöl gewonnen, verbraucht aber in Hinblick auf den Wasserfußabdruck deutlich weniger Wasser. Vorsicht ist nur bei möglichen Weichmachern geboten, die das Kunstleder künstlich weich machen und dabei gesundheitsschädlich sein können.


Das kann ich tun

In Sachen Kleidung ist, egal ob Baumwolle, Leder oder Chemiefaser, das Kriterium der Langlebigkeit entscheidend. Denn je länger Kleidung getragen oder weitergegeben wird, desto kleiner ist der virtuelle Wasserfußabdruck. Zusätzlich gibt es ein paar Tipps und Tricks, worauf beim Kauf von Kleidung geachtet werden kann:  

  • > Egal ob Baumwolle oder Kunstfaser, Fair Trade und Bio-Zertifikate wie Blauer Engel oder bluedesign@standard berücksichtigen neben der Umweltauswirkung auch soziale Anforderungen.
  • > Auf Second Hand zurückgreifen.
  • > Einen Kleidertausch organisieren.
  • > Auf Kleidung aus Hanf und Leinen umsteigen, da diese Materialien auch regional angepflanzt werden können und mit 2500 Liter pro Kilogramm nur ein Viertel der Wassermenge von Baumwolle benötigen.65
  • > Kleidung aus Kunstfasern sachgemäß recyceln.

Das tun wir

Bild

Mit unserer Wasserampel möchten wir unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen und gegebenenfalls zum Umdenken anregen. Dabei berufen wir uns auf das Konzept des Virtuellen Wassers, das offen legt, in welchem Ausmaß Wasser in der Herstellung von Nahrungsmitteln oder Industrieprodukten verbraucht wird. Dabei wird deutlich, dass gerade aus den Trockengebieten der Erde zu viel Wasser für die Herstellung von Exportprodukten verbraucht wird.

Verbinde eigenes Engagement mit der Unterstützung unserer Arbeit und veranstalte beispielsweise eine Kleidertauschparty als Aktionsspende. Wir bieten dir dafür die Plattform:

>> www.weltfriedensdienst.de/aktiv-werden/aktionsspende