Weltfriedensdienst e.V.

Europäisches Parlament fordert Verbot von Palmöl in Biodiesel

Ab 2021 soll Palmöl in der EU nicht mehr als Biodiesel verwendet werden, fordert  das Europäische Parlament in seinen Beschluss vom 27.01.2018 Aktuell landen in der EU jährlich über 3 Millionen Tonnen Palmöl in Tanks. Zusätzlich soll auch die Verarbeitung von Nahrungs- oder Futtermittelpflanzen, wie Mais und Zuckerrohr, zu Biokraftstoffen auf dem bisherigen Niveau von maximal 7% eingefroren werden.
Gleichzeitig setzt sich  die EU mit der Neufassung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie das Ziel, den Energieverbrauch für Verkehr bis 2030 zu mindesten 12% aus erneuerbaren Energien zu decken. Bis 2020 steht das Ziel bei 10%.

 „Ein wichtiges politische Signal aus Brüssel, das Greenwashing der EU auf Kosten von Regenwald und Klima zu beenden.“

Die EU ist mit 7,2 Millionen Tonne pro Jahr weltweit der drittgrößte Importeur von Palmöl. Davon endet fast die Hälfte als Beimischung zu sogenannten Biodiesel, eine Folge der von der EU 2009 beschlossenen Beimischungspflicht. Damit sollte offiziell ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden, indem der Anteil fossiler Treibstoffe im Energiemix reduziert wird.  Für den Anbau von Palmöl wurden und werden in rasantem Tempo Regenwaldflächen gerodet, z. B. in Malaysia, Indonesien oder Peru. Weltweit  findet der Anbau auf 27 Millionen Hektar Land statt, eine Fläche von der Größe Neuseelands! Folgen sind nicht nur die Zerstörung von lokalen Ökosystemen und damit der Lebensgrundlagen der  lokalen Bevölkerung. Die Klimabilanz von Palmöl ist dramatisch: Werden indirekte Landnutzungsänderungen berücksichtigt, ist Biodiesel aus Palmöl bis zu dreimal so klimaschädlich wie das fossile Original aus Erdöl. Zeitweise überschritten sogar die Treibhausgasemission Indonesiens, eines Hauptproduzenten von Palmöl, die der USA, wie Rettet den Regenwald ermittelte.
Stefanie Hess vom Weltfriedensdienst bewertet den Beschluss des EU-Parlaments daher als: „Ein wichtiges politische Signal aus Brüssel, das Greenwashing der EU auf Kosten von Regenwald und Klima zu beenden. Wir sehen hier eine Chance für eine faire, sozial sowie ökologisch gerechte Gestaltung von Importpolitik für Agrar-Rohstoffe, z.B. Soja als Futtermittel.“

Die Palmöl-Lobby macht Mobil

Währenddessen mobilisiert sich Protest im zweitgrößten Palmöl-Produzenten der Welt Malaysia: Minister Mah Siew Keong sagte dem Spiegel gegenüber „Die malaysische Regierung wertet das als Versuch, eine 'Feldfrucht-Apartheid' (Crop-Apartheid) über die Kleinbauern Malaysias zu verhängen“ und drohte mit einer Klage vor der WTO.  Die große Nachfrage nach Palmöl ist zum Teil auf die EU selbst zurückzuführen: Seit 2009 die Beimischung von nachwachsenden Rohstoffen wie Palmöl in Biodiesel vorgeschrieben wurde, stieg die EU zum zweitgrößten Importeur malaysischen Palmöls auf. Das führte in einigen Jahren zu einem Wachstum der Produktion von mehr als 50%. Der Beschluss des EU-Parlaments kann diesen Anreiz zur Regenwaldzerstörung aus der Welt schaffen, sofern die Mitgliedstaaten mitziehen. Palmölproduzenten, darunter auch viele KleinbäuerInnen werden dabei zu Verlierern, wenn es nicht gelingt, nachhaltige Alternativen zu entwickeln.
Mehr zu den Rechten von KleinbäuerInnen erfahren Sie auf der Seite des Weltfriedensdienst.