Weltfriedensdienst e.V.

83 Agrarminister sprechen über Wasser

Im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) vom 20.-29. Januar 2017 trafen sich AgrarministerInnen aus 83 verschiedenen Ländern in Berlin um das Thema „Landwirtschaft und Wasser – Schlüssel zur Welternährung“ zu diskutieren. Anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin wurden zum neunten Mal bei der Ministerkonferenz zukunftsweisende Themen der Landwirtschaft und Ernährung behandelt. Dabei stand das Thema Wasser zum ersten Mal im Mittelpunkt.

Abschlusskommuniqué der Agrarministerkonferenz

Die StaatsvertreterInnen  verabschiedeten ein gemeinsames > Abschlusskommuniqué. Zu Beginn des Dokuments wird die Wichtigkeit von Wasser als Grundlage allen Lebens, sowie als Basis für das Recht auf Nahrung, betont. Von denen sich daraus ergebenden Feststellungen und Handlungsoptionen lohnt es sich, einige an dieser Stelle hervorzuheben.

So wird anerkannt, dass die Landwirtschaft als weltweit größte Wassernutzerin (ca. 70%) die Verantwortung hat, Wasser nachhaltig zu nutzen und zu seinem Schutze beizutragen.

Parallel dazu wird festgestellt, dass Landwirtschaft „einen angemessenen und verlässlichen Zugang zu geeignetem Wasser als Produktionsressource benötigt“ und dass dieser für KleinbäuerInnen oftmals eingeschränkt ist.

Als Hindernisse, mit denen sich bäuerliche Kleinbetriebe regelmäßig konfrontiert sehen, werden insbesondere Wasserknappheit und Verschmutzung, Überschwemmung und unzureichende Wasserverteilungssysteme genannt.

„Aufgrund der wichtigen Rolle, die sie regional und weltweit als natürliche Wasserspeicher, Wasserfilter, im Erosionsschutz und Hochwassermanagement sowie im globalen Wasserkreislauf einnehmen“ sollen Wälder, Böden und Feuchtgebiete besonders beschützt werden.

Innovative Technologien haben die Aufgabe, das Risiko der Wasserknappheit reduzieren und zur effizienten Nutzung vorhandenen Wassers beizutragen.

Mehrfach wird erwähnt, dass all diese Maßnahmen die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen müssen, wobei es sich nicht eindeutig herauslesen lässt ob neben dem regionalen Klima und Umwelt auch soziale und kulturelle Faktoren eine Rolle spielen sollen.

Handlungsfelder nicht vereinbar mit aktueller Agrarpolitik

Im Kommuniqué der AgrarministerInnen werden die UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 und der > Abschlussbericht des United Nations Secretary-General’s Advisory Board on Water and Sanitation (UNSGAB 2015), welcher sich mit einer effektiveren globalen Wasserarchitektur befasst, anerkannt. Beide Dokumente sind unseres Erachtens wichtige Pfeiler internationaler Zusammenarbeit bei der Bewältigung der globalen Wasserkrise.

Außerdem lassen sich zahlreiche Ansätze für ein ganzheitliches Kreislaufdenken, u.a. auch Stichworte wie Ökosystemschutz, Bodenmanagement und Wasserernte finden. Insgesamt sind die im Kommuniqué getroffenen Aussagen und identifizierten Handlungsfelder nicht mit der aktuellen Agrarpolitik der anwesenden MinisterInnen vereinbar. Erst Recht trifft das auf die von dieser Politik begünstigten extremen Auswüchsen der Agrarindustrie zu. Ein sehr eindringliches Beispiel dafür ist die "Wertschöpfungskette" von der südamerikanischen Sojabohne zur deutschen Fleischproduktion, über deren Kosten und ökologische wie sozialen Folgen auf dieser Seite regelmäßig berichtet wird > Systemfehler.

Zu befürchten ist jedoch, dass die an verschiedenen Stellen des Kommuniqués ins Spiel gebrachten technischen Lösungen die Ideenwelt der Agrarministerien und ihre agrarpolitische Praxis weiterhin dominieren und damit die Industrialisierung der Landwirtschaft weiter forcieren. Die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte haben jedoch gezeigt, dass Gentechnik, IT und komplexe Bewässerungssysteme keine Antwort auf die globale Wasserkrise sind.

Als wesentlich erfolgreicher stellen sich auch in unserer Projektpraxis agrarökologische Verfahren dar, wie z.B. der Schutz und die > Rehabilitierung von Wassereinzugsgebieten, Methoden zur Erhöhung der Wasserspeicherkapazität von Böden und der > Wasserernte. Lesen sie dazu auch > Eine andere Welt ist möglich.

Fazit

Der Handlungsbedarf ist umfassend festgestellt. Nun gilt es, daraus auch eine Politikänderung abzuleiten. Im Kommuniqué drängen sich an verschiedenen Stellen ganzheitliche Lösungsansätze auf, wie wir sie mit unseren Partnerorganisationen verfolgen. Nur unter Einbeziehung von internationalen Organisationen, Regierungen und Zivilgesellschaft kann die „Herausforderung […], die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit gesundheitlich unbedenklicher und nahrhafter Nahrung und den Zugang dazu sicherzustellen“ auch tatsächlich gemeistert werden.

Wir werden die AgrarministerInnen mit > Ihrer Unterstützung beim Wort nehmen.