Weltfriedensdienst e.V.

Abbau von Rohstoffen belastet unser Wasser

 

Bergbau, die Förderung und der Transport von Erdöl, neuere Extraktionsverfahren wie das Fracking oder die Ausbeutung von Teersanden verbrauchen nicht nur direkt viel Wasser, sondern führen vor Ort zur Verunreinigung und Vergiftung von Grund- und Oberflächengewässern durch Schwermetalle, Chemikalien und Öle. Insgesamt gelangen jeden Tag weltweit 2 Millionen Tonnen Chemikalien, industrielle, menschliche und landwirtschaftliche Abfälle in das Trinkwasser.

Besonders in Ländern mit verbreiteter Armut existieren selten Regeln zum Schutz vor Wasserverschmutzung. Gibt es solche Regeln, werden diese häufig nicht durchgesetzt.

Wasserraub im Bergbau

Gold, Kupfer und Erdöl aber auch Silber und seltene Erden sind begehrte Rohstoffe, deren stetig steigende Nachfrage in den Industrienationen und in den wirtschaftlich rasant expandierenden Schwellenländern zu zunehmenden Abbaudruck weltweit führt. Profiteure sind meist nur die internationalen Konzerne durch hohe Gewinne sowie die Konsumenten in den Industrienationen durch billige Verbraucherpreise. Doch die Auswirkungen der Praktiken im Rohstoffabbau auf die weltweite Wasserproblematik sind der Öffentlichkeit wenig bekannt und zugänglich. Was hat beispielsweise ein Ehering aus Gold mit verseuchten Flüssen in Südafrika zu tun? Oder das ständige Bedürfnis nach dem neusten Handymodell der Menschen in Deutschland mit vergifteten Trinkwasservorkommen in Argentinien?

Abbau von Lithium

Ein unverzichtbarer Bestandteil von Akkus und Batterien für Handys und Laptops ist auf Grund seiner guten Speicherfähigkeit das Metall Lithium. Verwendet wird es aber nicht nur für die moderne Informationstechnologie sondern auch für die Batterien von Elektro-und Hybridfahrzeugen. Der bis dato steigende Durst nach dem Rohstoff hat geradezu einen Abbau-rush ausgelöst, der dem begehrten Stoff den Spitznamen „weißes Gold“ eingebracht hat. Auf dem Hochplateau, das sich die drei südamerikanischen Länder Chile, Argentinien und Bolivien teilen, lagern 85% der weltweiten Lithiumvorkommen – und zwar einfach zugänglich, in Salzseen unter offenem Himmel. Der Abbau von Lithium in einer der trockensten Gegenden der Welt, dem Gebiert der großen Seen im Nordwesten Argentiniens, wird dramatische Auswirkungen auf die Wasserreserven vor Ort haben. Zur Gewinnung von Lithium werden große Mengen von Wasser benötigt: Das Grundwasser in den Salzseen, welches einen sehr hohen Mineralanteil aufweist, wird in künstliche Becken gepumpt. Durch zahlreiche Verdunstungsschritte kommt es zu einer Erhöhung der Lithiumkonzentration in den Becken, so dass es dann entnommen und weiterverarbeitet werden kann. Die erhöhte Verdunstungsrate und der dadurch sinkende Grundwasserspiegel führen aber für die Menschen vor Ort und die fragilen Ökosysteme zu gravierenden Wasserproblemen.

Abbau von Gold

Ähnliche Risiken birgt der Abbau von Gold. Für das Herauswaschen des Rohstoffes aus dem gesprengten Gestein wird sehr viel Wasser benötigt. Dies geschieht zudem oft in Regionen, die unter Wassermangel leiden. Außerdem werden giftige Chemikalien, wie Cyanid, dazu verwendet, das Gold vom Gestein zu lösen. Cyanid ist an sich bereits toxisch. In Verbindung mit der Luft entstehen Schwefelsäuren, die das Grundwasser zusätzlich dauerhaft vergiften. Die Produktion von 30g Gold für einen Ehering hinterlässt ungefähr 20 Tonnen mit Cyanid belasteten Gerölls.

 


Das kann ich tun

 Darfs ein Handy weniger sein?

In Deutschland werden jährlich 30 Millionen Handys verkauft, die durchschnittliche Verweildauer liegt bei 18 Monaten. Dann muss ein neues her. So ein Handy besteht aus rund 60 Rohstoffen, davon sind die Hälfte Metalle (u. a. Lithium, Gold, Coltan und Kupfer), deren Förderung für Mensch, Wasser und Umwelt höchst problematisch ist. In einem Handy für 50 € stecken rund 1280 l virtuelles Wasser. Nicht außer Betracht lassen darf man auch die verheerenden soziale Folgen.

In Deutschland liegen rund 85 Millionen „Schubladenhandys“, bisher werden nur 3 % der alten Handys ordnungsgemäß entsorgt. Gehört Ihnen eins davon? Oder vielleicht sogar mehrere?
Befreien Sie sich  von Altlasten! Das können Sie gleich heute und > hier beim NABU tun.

40 Handys enthalten dieselbe Menge Gold wie eine Tonne Golderz. Klingelt’s? > mehr erfahren beim Bayrischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz 


Das tun wir

Die Provinz Jujuy im Nordwesten Argentiniens zählt mit den angrenzenden Staaten Bolivien und Chile zum sogenannten Saudi-Arabien des Lithium. In den großen Salzseen der Region befinden sich die weltweit größten, leicht zugänglichen Vorkommen des Metalls. Es ist in der Informationstechnologie nicht zu ersetzen und auch für die Herstellung von Batterien für Hybrid-und Elektroautos unverzichtbar. Mitsubishi, Toyota und andere Unternehmen aus Japan, Südkorea, Kanada und Australien wollen in der wasserarmen Region Lithium gewinnen. Einige haben mit der Förderung bereits begonnen.
Die angewandte Förderungstechnologie verbraucht in großen Mengen Grundwasser. Dabei zählt für die indigenen Gemeinden, die in der semiariden Region leben, jeder Liter Wasser für Haushalt und Landwirtschaft. Zudem gewinnen sie seit Jahrhunderten behutsam Salz aus den Salzseen und treiben damit Handel. Die Unternehmen verhindern nun den Zugang der Gemeinden zu diesen Salinen. Damit bedroht die Lithium-Gewinnung etwa am größten Salzsee Salinas Grandes das Überleben von 33 Gemeinden. Was die Unternehmen als Kompensation versprechen, verdient diesen Namen nicht.

Indem die argentinische Regierung internationalen Unternehmen bestmögliche Investitionsbedingungen verschafft, wird das Recht indigener Gemeinden auf Mitsprache bei der Nutzung ihrer Ländereien aufs Gröbste verletzt. Der Rat der Indigenen Organisationen von Jujuy, COAJ, unterstützt die Betroffenen bei ihrem Widerstand und fordert deren angemessene Beteiligung bei der Entscheidung über die künftige Nutzung der Salzseen. Der Weltfriedensdienst fördert und berät COAJ seit mehr als 10 Jahren. Zu den geförderten Aktivitäten gehören Workshops zur Aufklärung von Gemeindevertretern über nationales Bergbau-, Umwelt- und Landrecht, Rechtsberatung betroffener Gemeinden sowie ein Ausbildungsstudiengang zu indigener Entwicklung. Dazu gehören aber auch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit in Argentinien und in der internationalen Arena, z.B. gegenüber Organen der UNO

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Das Wasser gehört allen und niemandem

„Für die indigenen Völker ist das Wasser ein lebendiges Wesen, das den Menschen und dem Universum Leben gibt. Mit dem Wasser sprechen wir, wir behandeln es mit Zärtlichkeit, wir ziehen es groß wie ein Kind. Es wird  nicht misshandelt, es wird nicht verschwendet, es wird respektiert.“

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Das Wasser in der indigenen Kosmovision

Das Wasser ist etwas Gegenseitiges und Komplementäres. Es ermöglicht die Einbeziehung aller Lebewesen, die Verbindung der Natur mit der menschlichen Gesellschaft, mit Mann und Frau.

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